14.06.2023 08:00
von Torsten Vogel

Jobwechsel

Wann und für wen lohnt es sich?

Immer mehr Erwerbstätige denken an einen Jobwechsel. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein.

Bevor ein Stellenwechsel jedoch in Betracht gezogen wird, sollte man wissen, wann und für wen sich dieser Wechsel auszahlt.

Die Analyse einer Studie der Bartelsmann-Stiftung zu Veränderungen im beruflichen Bereich ergab, dass Erwerbstätige mit geringeren Qualifikationen und in Hilfs- oder angelernten Tätigkeiten bei einem Arbeitsplatzwechsel sehr schlechte Chancen hätten aufzusteigen. Für Fachkräfte und Spezialisten hingegen lohne sich ein Wechsel, insbesondere mit der Aussicht auf höhere Gehälter am neuen Arbeitsplatz.

Die Chance für ein höheres Gehalt ergebe sich aus der Anwendung und Einbringung der, im ehemaligen Arbeitsplatz, erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten, in die neue Arbeitsstelle. Wechselt man also in einen ähnlichen Beruf, so kann die Aufstiegschance und Gehalt verbessert werden. Folglich sinkt die Chance, wenn die Qualifikationen kaum eine Anwendung finden. Darüber hinaus soll die Nähe zum alten Beruf eine höhere Produktivität mit sich bringen. Beschäftigte, die den Neustart in einem eng verwandten Beruf machen, seien im Schnitt 6,2 Tage im Jahr mehr am Arbeitsplatz als jene, die sich für einen komplett neuen Beruf entscheiden. Ist die neue Tätigkeit weniger verwandt mit der alten, dann ergebe sich eine Arbeitszeiterhöhung von 4,3 Tagen jährlich. Infolgedessen entstehen Vorteile für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber.

Weniger vorteilhaft sei ein Berufswechsel für Hilfskräfte. Im Vergleich zu den Fachkräften sind sie sogar laut Analyse benachteiligt. Beschrieben werden die Hilfskräfte als Helfer ohne Berufsausbildung und seien somit Geringqualifizierte. Allerdings gibt es ebenso gut Personen mit Berufsabschlüssen, die helfende Tätigkeiten ausüben. Mit durchschnittlich 11,3 % im Jahr wechseln sie doppelt so oft den Beruf als Fachkräfte. Bei diesem sogenannten "Job-Hopping" sollten sich die Erwerbstätigen bei einem Wechsel weniger an ihrem Wissen und den eigenen Kompetenzen, sondern vielmehr an der Nachfrage des Arbeitsmarktes orientieren. Nicht vorhandene Kompetenzen müssten dann neu angelernt werden. Aufgrund dessen betont die Stiftung an dieser Stelle die Wichtigkeit von Teilqualifikationen bis zum erfolgreichen Berufsabschluss.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Analyse ist die Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern hinsichtlich des Stellenwechsels sowie die Möglichkeiten als Führungskraft aufzusteigen. Bei Männern mit einem beruflichen Abschluss gelinge 82 % der Wechsel vom Helfer zu einer Fachkraft aufzusteigen. Bei Frauen dagegen seien es nur 77 %. Selbst das Risiko einer beruflichen Herabstufung trotz Ausbildung sei bei weiblichen Erwerbstätigen höher als bei männlichen. Zurückzuführen sei dies auf die ungleiche Verteilung der Aufgaben im Familienhaushalt und der unzureichenden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Die Lösung dieser Problematik ermögliche den Frauen eine Verkürzung der Unterbrechungszeiten in ihrem Beruf und die Erhöhung ihrer Arbeitszeit. Infolgedessen verbessere sich die Chance eines Berufswechsels für die Frauen.

Quellen:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Text die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.

https://www.vdi-nachrichten.com/karriere/arbeitsmarkt/jeder-vierte-beschaeftigte-denkt-ueber-jobwechsel-nach/

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/jobwechsel-fachkraefte-arbeitnehmer-100.html

 

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